Kunstverein

Kunstverein DIE TREIDLER Frankenthal e.V.

Der Kunstverein Die Treidler wurde 1972 gegründet. Der Name leitet sich ab von den Treidlern, die früher Schiffe stromaufwärts zogen, auch vom früheren Frankenthaler Kanal zum Rhein. Mitglieder sind Kunstfreunde und Kunstschaffende. Ziel des Vereins ist es, das Verständnis für Bildende Kunst zu fördern, und zwar in allen Alters- und Bevölkerungsgruppen. Dem dienen neben dem Ausstellungsprogramm (vier bis fünf Ausstellungen jährlich) Gespräche zur Kunst, die Teilnahme an kulturellen Aktionen und das Bemühen, mehr Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Insbesondere der Arbeit junger Künstler und neuen Kunstrichtungen gilt das Augenmerk der Verantwortlichen.

In der Vergangenheit sind in loser Folge Bücher und Kataloge zu Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen herausgegeben worden. Im Öffentlichen Raum hat der Verein durch Malereien und Reliefs Einfluss auf das Erscheinungsbild der Stadt genommen.

Chronik des Kunstvereins „Die Treidler“ Frankenthal von 1972 bis 2012 anlässlich des 40-jährigen Jubiläums

Frankenthaler Künstler und Kunstinteressierte, die sich in den 60er Jahren monatlich bei einem  „Künstlerstammtisch" trafen, hatten beschlossen, einen Verein zu gründen. Am 29. Juni 1972 war es soweit: mit Walther Albrecht als Gründungsvorsitzendem, Dr. Wolfgang Klink, den Künstlern Rainer Stocké, Verena Schubert, Martin Foeller, Dr. Helmut Pilch und Heinz Voß ein Gründungsvorstand gewählt, der die offizielle Gründung des „Kunstverein e.V. Frankenthal/Pfalz“ für den Donnerstag, den 9. November 1972, vorbereitet hatte.

Ziel des Vereins war es: Für die Kunst tätig zu werden, Verständnis für sie zu wecken und weitere Kreise dafür zu interessieren. Außerdem die Stadt bei der Durchführung von Ausstellungen der bildenden Kunst zu entlasten. Darüber hinaus auch für die musische Künste tätig zu werden, mit der Absicht das Kunstschaffen näher an das Alltagsleben heranzubringen, den Abstand zwischen beiden zu verringern.

„Kultur sollte nicht der Kultur Konkurrenz machen!" Mit dieser Rüge begann Oberbürgermeister Günther Kahlberg seine Grußworte bei der offiziellen Gründungsversammlung des Kunstvereins. War doch für den Kulturbetrieb der Stadt Frankenthal der Donnerstag wichtig, da an diesem regelmäßig kulturelle Veranstaltungen stattgefunden hatten.

Auch der Südwestfunk, der über den neuer Kunstverein berichtete, äußerte erhebliche Zweifel an seiner Lebensfähigkeit in dieser Zeit. In dem Beitrag des Südwestfunks  „Blick ins Land“ bedauerte der Moderator  Horst Schaefer sogar, dass sich der Verein „nicht als Tochtergesellschaft der Firma Wortelkamp“ verstehe, wie der Gründungsvorsitzende bedauernd festhielt. Der damalige und inzwischen auch bundesweit bekannte Bildhauer und Maler Erwin Wortelkamp, der in Beindersheim eine Galerie und ein Atelier unterhalten hatte, war ein Anhänger der Fluxus-Bewegung, einer Aktionskunst.

Es war für den ersten Vorstand, für dessen Arbeit sich unter anderen Verena Schubert, Rainer Stocké und Ingelore Wettengel, aber auch Leopold Mimler und Rudi Reffert sowie weitere Gründungsmitglieder wie Ilse Feldberg, Erich Sauer und Gerhard Haas engagierten, nicht einfach, aus dem Nichts heraus eine erfolgreiche und möglichst dauerhafte kulturelle Arbeit zu entwickeln.

Die erste Ausstellung zeigte unter dem Titel „Kunst des 20. Jahrhunderts aus Familienbesitz“, Werke von Hanns Fay, Hans Purrmann, Joe Hackbarth und Pablo Picasso.

Da der Verein zu Beginn keine eigenen Räume besaß, musste der Vorstand Räume für Ausstellungen suchen, die sie dann in Schulen, im Rathaus, im Gemeindezentrum Mörsch und in der ehemaligen Buchhandlung Müller-Leidig fanden.

In den Anfangsjahren führte der Verein neben den Ausstellungen auch literarische und musikalische Veranstaltungen durch und gab dem Kulturleben in Frankenthal manche Impulse wie beispielsweise  die Kammerkonzerte vor dem Frankenthaler Porzellan im Rathaus und Fahrten zu bedeutenden Ausstellungsorten. In loser Folge wurden und werden noch heute Bücher und Kataloge zu Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen herausgegeben. Auch im öffentlichen Raum hat der Verein durch Malereien und Reliefs das Erscheinungsbild der Stadt künstlerisch bereichert.

Von 1979 an konnte der Verein endlich eigene Räume in der Carl-Bosch-Schule mieten. Damit wurde ein lang gehegter Wunsch, die Einrichtung einer „Kreativen Werkstatt", verwirklicht, die von Ingelore Wettengel viele Jahre geleitet und damit zur wichtigsten Aktivität im Kunstverein wurde.

Kursangebote vom Zeichnen und Malen über Töpfern, Handweben, Spinnen, Holzschnitzen, Seidenmalen und Klöppeln bis hin zu Occhi brachten Abend für Abend nahezu casino 100 handwerklich begabte und kunstsinnige Menschen zum Kunstverein. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs musste 1986 diese Arbeit eingestellt werden, da Frau Wettengel durch ihren Wegzug aus Frankenthal die Werkstatt nicht mehr leiten konnte.

Zunehmende Meinungsverschiedenheiten in der Vereinsführung über das künstlerische Konzept führten dazu, dass Ende der 70er Jahre die erfolgreiche Arbeit der Anfangsjahre insbesondere bei den Ausstellungen in den Hintergrund gedrängt wurde. Die Namen Dr. Pilch und Maischein dominierten nun den Verein über drei Jahre hinweg. Schließlich trat Walther Albrecht 1980als Vorsitzender zurück. Für seine  großen Verdienste um die Gründung und den Aufbau des Vereins wurde er 1981 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Zwischen dem Rücktritt von Walther Albrecht 1980 und dem Vorsitz 1981 von Francoise Sauer übte Ingelore Wettengel das Amt als Interims-Vorsitzende aus. 1980 bestand der Verein aus 113 Mitgliedern.

Von 1981 bis 1989 leitete Françoise Sauer als Vorsitzende den Verein. Im selben Jahr beschlossen die Mitglieder, den Verein in „Die Treidler“ umzubenennen. Der Name leitet sich ab von den Treidlern, die früher Schiffe stromaufwärts zogen, auch vom früheren Frankenthaler Kanal zum Rhein, sowie auch als ein Hinweis auf die zu leistende Schwerarbeit, sowohl von Künstlern, als auch vom Vorstand. Anhand von Plakatentwürfen entschied sich der Vorstand am 22. April 1981 für einen Zweifarbendruck blau/gelb mit weißer Eindruckfläche.

Im Herbst 1987 zog der Kunstverein in das Gebäude Mörscher Straße 1, das aus zwei Gewölberäumen im Keller und weiteren Räumen im Dachgeschoss bestand, die er von der Stadt angemietet hatte. Doch die Ausstellungsräume waren mangelhaft: Eine kaputte Heizungs- und Lüftungsanlage für den Ausstellungskeller führte zu hohen Stromkosten.

Mit neuem Elan begann nun ein reger Ausstellungsbetrieb, ergänzt durch musikalische und literarische Veranstaltungen, Kleinkunst, Kunstreisen sowie Theaterabende.

Von 1989 bis 1998 war Klaus Schneider der Vorsitzende des Vereins. Während seiner Amtszeit wurden zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, wie Ausstellungen, Konzerte und sonstige Veranstaltungen, von Lesungen bis zu Ausstellungsfahrten. Das Vereinsleben bereicherten die 1989 wieder aufgenommenen jährlichen Ausstellungen mit Frankenthaler Künstlern. Hervorzuheben sind die großen Ausstellungen mit Werken von Erich Sauer.

1998 stand der Verein kurz vor der Auflösung. Grund waren Turbulenzen durch die Kandidatur des Künstlers Harald Klimek für das bislang vakante Amt des künstlerischen Leiters. Da Klimek gleichzeitig beim Speyerer Kunstverein „Link“ und in der Galerie Riedel tätig war, war der Vorstand der Meinung, dass er sich nicht genügend für die Treidler engagieren könne. Außerdem sahen sich die Künstler des Vereins zu wenig vom Vorstand gewürdigt. Unter diesen Voraussetzungen wollte niemand für den Vorstand kandidieren. Während einer außerordentlichen Mitgliederversammlung war schließlich Alis Hoppenrath bereit, zu kandidieren. Mit ihrer Wahl zur neuen Vorsitzenden hatte sie damit auch den Verein in seiner Existenz gerettet.

Im Jahr 2007 schließlich erfolgte der Umzug ins neu eröffnete Kunsthaus. Hier hat der Verein ein Atelier unterm Dach als Arbeitsstätte gemietet, die Ausstellungsräume werden jeweils für die Dauer der Ausstellungen angemietet.

Seit Gründung des Kunstvereins haben mehr als 300 Veranstaltungen stattgefunden. Alle Genres der bildenden Kunst waren vertreten, namhafte und junge Künstler, regionale und nationale, heimatverbundene und solche mit Migrationshintergrund.

Auf die erste Ausstellung 1972 „Kunst des 20. Jahrhunderts aus Familienbesitz“ folgten in den nächsten Jahren zahlreiche Ausstellungen mit namhaften Künstlern wie zum Beispiel : Maria Pfeiffer-Stephan, Alfred Haenssgen, Manfred Giersdorf, Eberhard Doser, Theo Röhrig , Hanna Nagel, Karl Unverzagt, Gotthelf Schlotter, Roland Urban, Otfried Culmann und Perron-Preisträgern von Martin  Matschke bis Bernd Benedix (2000). Außerdem erstellte der Verein eine Dokumentation „Frankenthaler Künstler über 4 Jahrhunderte“ anlässlich der 400-Jahrfeier der Stadtverwaltung.

Weiter sind zu erwähnen: Das „Kunstfest ’92“ aus Anlass des 20jährigen Bestehens des Kunstvereins mit einem dreitägigen Festprogramm und der Herausgabe einer von den Künstlern des Vereins gestalteten Kunstmappe, die Werkausstellung für Erich Sauer zu dessen 65. Geburtstag mit einem acht Veranstaltungen umfassenden Rahmenprogramm im Juni 1996, und die „Musikalische Geburtstagsfeier“ für den Kunstverein zu seinem 25. Geburtstag 1997.  80 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Polen, Rumänien, Israel, der Türkei und Kirgisien zeigten Werke aus den Jahren zwischen 1992 und 1997.

Erinnert sei auch an die Begegnungen mit Künstlern wie Karin Bruns-Ross, Professor Alfred Finsterer, mit dem der Verein eine Ausstellung im Gewölbekeller und zeitgleich mit seinen Bibel-Bildern in der St.-Ludwigs-Kirche gestaltete, oder Theodor Herzen, dessen Illustrationen zum „Nibelungenlied“ vom Kunstverein als Buch herausgegeben werden konnten. Und diese Namen stehen stellvertretend für viel andere.

Vor zehn Jahren fand eine Jubiläumsausstellung an drei Ausstellungsorten statt. Jeder stand für eine Dekade: das TREIDLER-Gewölbe, das Rathausfoyer und das Foyer des Theaters Alte Werkstatt. Gezeigt wurden Werke von Kunst schaffenden Mitgliedern und Gästen sowie von verstorbenen ehemaligen Mitgliedern des Kunstvereins.

Unter der Regie von Alis Hoppenrath wurden neue künstlerische Akzente gesetzt. Außerdem sorgte sie dafür, dass im Jahr 2000 die Homepage „Treidler.de“ ans Netz ging, und damit der Verein an die digitale Welt angeschlossen wurde. User werden hier über aktuelle Programme informiert, sie finden eine Vorschau über geplante Ausstellungen und Infos über die Künstler, die mit einem Link verbunden sind.

Außerdem beteiligen sich die Treidler regelmäßig am Kultursommer und nehmen an den Kulturtagen- und –nächten der Stadt mit aufwendigen Programmen teil. Regelmäßig zum Jahresende zeigen die Kunst schaffenden TREIDLER-Mitglieder ihre Werke. Das Programm hat seither auch eine stark in die Gesellschaft hinein wirkende Komponente: Bei den Frankenthaler Kulturtagen 1999 durften Schüler das Sprayen ausprobieren. Selbstverständlich unter Anleitung, eine Gruppe von jungen Leuten aus der Partnerstadt Strausberg war dazu extra angereist. Diese Gruppe besprühte auch eine Doppelgarage in Eppstein mit einem Bild. Ein Bild von zwei Sprayern aus der Region entstand im Durchgang zur Schlossergasse an der Rückwand der Sparkasse.

2001 ließ der Verein unter dem Titel „Wegmarken“ Kinder Fußspuren setzen, um auf die Ausstellung von „Ingo Glass“ aufmerksam zu machen. Von den drei damals in die Stadt angebrachten Großskulpturen aus Cortenstahl  wurde eine mit Mitteln der Stiftung der Sparkasse für Kultur angekauft und ist seither Blickfang auf dem Rathausplatz. „Bella Germania – Italien am Rhein“ lautete der Titel des Beitrags der TREIDLER zum Kultursommer 2004, die Besucherzahl des italienischen Abends im Garten der Ludwigskirche war überwältigend.

Zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Doris Barnett holten die TREIDLER 2006 die Ausstellung „Zeige Deine Wunde“ nach Frankenthal. Sie zeigten Arbeiten von Psychiatrie-Erfahrenen aus der ganzen Bundesrepublik. 2008, als begleitende Aktion zur Jahresausstellung „Transit“, fotografierten die an der Ausstellung Beteiligten zahlreiche Bürger, die dann eine lange Reihe von aneinandergereihten Menschen im Porträt im Kunsthaus bewundern konnten.

Für den Kultursommer 2012, der unter dem Motto „Gott und die Welt“ stand, initiierte der Verein die Ausstellung „Aufgehoben: Glauben – Herkunft – Selbstbestimmung“. Dafür bat der Vorstand alle Glaubensgemeinden und -gemeinschaften der Stadt mitzumachen. Genau die Hälfte von ihnen war dazu bereit, 15 Personen berichteten über ihre Herkunft, über ihren Weg nach Frankenthal und wie sie sich heute in ihrer Glaubensgemeinde „aufgehoben“ fühlen.

Ein weiteres Anliegen ist die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen. So gab es 2005, als das Kultursommer-Motto „Weltmeister“ lautete, eine gemeinsame Ausstellung der Kunst schaffenden TREIDLER-Mitglieder mit der Künstlergilde Bad Bergzabern.

Am 16. November 2012 ging eine Gemeinschaftsausstellung mit dem Kunstverein der Partnerstadt Strausberg zu Ende. Und bei der Vorbereitung der Jubiläumsausstellung 2012 ergaben sich gute Kontakte zu dem Kunstverein Neckar-Odenwald,  vielleicht folgt daraus eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit.

Vier Mal im Jahr finden nun Ausstellungen in den Räumen des Kunsthauses statt, ab und zu Lesungen oder Diskussionsabende, und gelegentlich werden die Veranstaltungen auch von jungen Musikern der Musikschule Frankenthal begleitet.

Unterstützt wird der Verein neben den Mitgliedern auch durch die Stadt Frankenthal, durch Spenden ortsansässiger Firmen und Privatpersonen. Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei. Der Verein ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV). Zum Kultursommer 2010 „Rohre zur Sonne“ war der damalige Vorsitzende der ADKV, Johan Holten, jetzt Leiter der Kunsthalle Baden-Baden, zu einer öffentlichen Gesprächsrunde zu dem Thema: „ Das Selbstverständnis und die Arbeit der Kunstvereine“ zu den TREIDLERN gekommen.

(Cordula Eckenfels)