ADKV trauert um Wulf Herzogenrath (1944–2026)
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) trauert um Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, der am 18. Juni 2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben ist.
Mit ihm verliert die ADKV ihren visionären Vordenker und Wegbegleiter. Als Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der ADKV, als Direktor des Kölnischen Kunstvereins und der von einem Kunstverein getragenen Bremer Kunsthalle hat Wulf Herzogenrath die Idee des zivilgesellschaftlich organisierten Kunstvereins und die Demokratisierung der Kunstvermittlung über Jahrzehnte hinweg mit Leidenschaft vorangetrieben.
Sein Engagement reichte bis in die jüngste Zeit: Die von ihm 2024 gegründete Wulf Herzogenrath Kulturstiftung unterstützt das ADKV-Herzogenrath Forum, in dessen Rahmen jährlich der nach ihm benannte Preis für Ehrenamt in Kunstvereinen vergeben wird.
Was Wulf Herzogenrath auszeichnete – seine intellektuelle Neugier gepaart mit großer Menschenfreundlichkeit und Zugewandtheit, sein Vertrauen in Künstler*innen und seine Großzügigkeit gegenüber jüngeren Generationen, zuvorderst sein unerschütterlicher Glaube an die gesellschaftliche Relevanz von Kunst – wird weiterhin die Arbeit der ADKV und der Kunstvereine inspirieren und leiten.
Im Folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung der Familie Herzogenrath im Wortlaut.
Pressemitteilung der Familie Herzogenrath
Die Familie von Prof. Dr. Wulf Herzogenrath gibt mit großer Trauer bekannt, dass der Kunsthistoriker, Kurator und Kunstvermittler am 18.06.2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben ist.
Mit Wulf Herzogenrath verliert die internationale Kunstwelt eine ihrer prägenden Persönlichkeiten. Über mehr als fünf Jahrzehnte setzte er sich für die Vermittlung, die Akzeptanz und die gesellschaftliche Relevanz von Kunst ein. Als Pionier der Videokunst bereitete er in den 1970er und 80er Jahren den Boden für eine heutzutage weltweit etablierte Kunstgattung. Dem ausgewiesenen Kenner des Bauhauses lag die kunsthistorische Anerkennung von Interdisziplinarität, wie auch das Aufbrechen der Grenzen zwischen E und U in Kunst und Kultur am Herzen. Mit nicht nachlassender Neugierde am Werk und einer großen Demut vor dem künstlerischen Schaffensprozess stand die Förderung der Künstler und Künstlerinnen stets im Zentrum seines Wirkens.
Geboren 1944 in Rathenow, studierte Herzogenrath Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde. Noch vor seiner Dissertation über die Wandbilder Oskar Schlemmers bearbeitete er 1968 den Katalog der ersten internationalen Bauhausausstellung „50 Jahre Bauhaus" und reiste anschließend mit ihr durch die Welt. Seitdem blieb er dem Bauhaus und seinen wegweisenden Ideen durch zahlreiche Ausstellungen und Publikationen verbunden.
Nach einer kurzen Anstellung am Museum Folkwang wurde er 1973 mit 28 Jahren Leiter des Kölnischen Kunstvereins und gestaltete in dieser Funktion bis 1989 eine der prägendsten Kunstszenen Deutschlands. Er war verantwortlich für bahnbrechende Ausstellungen der klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst und entwickelte Formate, die es ihm ermöglichten, auch jüngsten Künstlerinnen und Künstlern ein Forum zu bieten, um sie auf Augenhöhe mit bereits Etablierten auszustellen. Nam June Paiks erste europäische Einzelausstellung war 1978 der Beginn einer lebenslangen Zusammenarbeit und Freundschaft.
Während dieser Kölner Zeit war Herzogenrath Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des ADKV, dem Dachverband der deutschen Kunstvereine. Die Idee der von Bürgerinitiativen gestalteten Kunsträume und die damit verbundene Demokratisierung der Kunst und ihrer Vermittlung ließen ihn 2024 die „Wulf Herzogenrath Kulturstiftung" gründen, die das ADKV-Herzogenrath Forum unterstützt, durch das jedes Jahr ein nach ihm benannter Preis für das Ehrenamt vergeben wird.
Seine Mitwirkung an der documenta 8 und der darin integrierten Videokunst im Kontext traditioneller Kunstformen und dezidiert nicht als deklarierte Nische waren kuratorische Meilensteine, die international ausstrahlten.
In seiner Zeit als Hauptkustos der Nationalgalerie Berlin (ab 1989) prägte er das Haus nicht nur durch seine kuratorische Arbeit, sondern erweiterte die ständige Sammlung durch wichtige Videokunst-Ankäufe. Als Direktor der Kunsthalle Bremen prägte er ab 1994 mit zahlreichen Ausstellungen und nachhaltiger Museumsarbeit das Profil und die institutionelle Entwicklung des Museums. Nicht nur die sammlungsbasierten Erfolgsausstellungen von „van Gogh" bis „Monet" sind hervorzuheben, sondern auch die Museumserweiterung durch einen ebenso repräsentativen wie funktionalen Neubau.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Museumsdienst blieb er als Kurator, Autor, Hochschullehrer und als Mitglied der Akademie der Künste aktiv. Von 2012 bis 2021 war er Vorsitzender der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste Berlin. Seit 2007 war er Vorsitzender der Jury des Goslarer Kaiserringes.
Sein Wirken war geprägt von intellektueller Neugier, von Großzügigkeit im Austausch mit jüngeren Generationen, von einem feinen Gespür für die politische Umsetzung künstlerischer Ideen und die Fähigkeit, Menschen für die Kunst und deren gesellschaftliche Bedeutung zu begeistern.
Die von ihm gegründete Wulf Herzogenrath Kulturstiftung wird diese Aufgabe nun nach seinem Tod in seinem Sinne weiterführen.
Seine Begeisterung für Kunst, Musik, Literatur und das Leben in seinem ganzen Reichtum werden fehlen.
Wulf Herzogenrath verband mit seiner Neugier und seiner Offenheit Menschen über alle Grenzen hinweg.
Informationen zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.
Im Namen der Familie Herzogenrath
Nachfragen: info(@)wulf-herzogenrath.com