Pressemitteilung

 Sarah Alberti erhält den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik 2026

 Sarah Alberti erhält den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik 2026

Der mit 5.000 Euro dotierte ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik geht in diesem Jahr an die Leipziger Kunsthistorikerin, Moderatorin und Autorin Sarah Alberti.

Eine fünfköpfige Jury entschied sich für diese Auszeichnung, die insbesondere Albertis kunstkritisches Schreiben in Bezug auf ihren Blick auf die Kulturgeschichte der DDR und ihre
aktuellen Bezüge zur Kunst in Ostdeutschland hervorhebt.

Die Jury für den Preis für Kunstkritik 2026:
Juliane Bischoff (Frankfurt), Gürsoy Doğtaş (München), Annekathrin Kohout (Leipzig), Noemi Y. Molitor (Berlin), Vanessa Joan Müller (Wien)

Begründung der Jury

Die Jury würdigt mit Sarah Alberti eine Autorin, deren Bedeutung für die Auseinandersetzung mit der Bildenden Kunst und ihren Diskursen sich an der Konsequenz einer über anderthalb Jahrzehnte aufgebauten Arbeit bemisst.
Alberti, promovierte Kunsthistorikerin und freie Journalistin, bearbeitet die Brüche und Leerstellen der deutschen Kunstgeschichte in der Wochen- und Tagespresse ebenso wie in Kunstmagazinen, in Interviewreihen, Ausstellungs- und Vermittlungsprojekten. Im Zentrum dieser Praxis steht ein Feld, das der bundesdeutsche Kunstbetrieb bis heute nur selektiv bearbeitet: die Kunst und Kultur der DDR und ihr Weiterleben in Sammlungen, Institutionen und
Erinnerungsdebatten der Gegenwart. Ebenso konsequent widmet Alberti ihr Schreiben dem aktuellen Kunstgeschehen in Ostdeutschland und seiner überregionalen Relevanz.
 

Ihre eingereichten Texte, darunter eine Auseinandersetzung mit dem Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal und eine Rezension des deutschen Pavillons der diesjährigen Venedig Biennale, verbinden präzise historische Kenntnis
mit einem Urteil, das nicht im Beschreibenden verharrt. Die Informiertheit ihres Schreibens spricht aus dem Subtext, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Ausgezeichnet wird somit eine Praxis statt eine an einzelne Texte gebundene Leistung.
 

Alberti wurde 1989 in Leipzig geboren, acht Monate vor der Maueröffnung. Sie schreibt von Leipzig aus und hat sich denselben historischen Einschnitt zweifach erarbeitet, wissenschaftlich in ihrer Promotion über das
Ausstellungsprojekt "Die Endlichkeit der Freiheit Berlin 1990" und journalistisch in ihrer laufenden Berichterstattung. Ostdeutschland erscheint bei ihr nicht als Sonderthema mit Nachholbedarf, sondern als Prüfstein für jene Erzählungen, die sich das gesamtdeutsche Kunstsystem über sich selbst zurechtgelegt hat. Vom Umgang mit Monumenten im öffentlichen Raum bis zur Frage, welche Biografien und welche Werke in den Kanon gelangen, verfolgt sie diese Perspektive mit einer Kenntnis des Feldes, die im deutschsprachigen Kunstjournalismus derzeit nur selten Platz findet. Es sind Texte zu Themen, die vermutlich nur deshalb erscheinen, weil es diese Autorin gibt.

Die Jury versteht die Auszeichnung deshalb auch als Positionsbestimmung. Kunstkritik in Deutschland ist stark hauptstadtzentriert und folgt weitgehend den großen Ereignissen, während ganze Regionen, Diskurse und Institutionen
wenig bis gar keine publizistische Sichtbarkeit erlangen. Es braucht Autor:innen, die diese Dynamik mit Insistenz und mit erkennbarer Haltung durchbrechen. Sarah Alberti tut das seit Jahren. Der Preis würdigt ihre Beharrlichkeit und
benennt zugleich, was in der gegenwärtigen Landschaft der Kunstkritik und des Kunstjournalismus gebraucht wird: Stimmen, die immer wieder entscheidenden Lücken der Repräsentation nachspüren.

 

Über den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik

Seit 1999 wird der Preis durch die ADKV ausgelobt, seit 2006 in Kooperation mit der ART COLOGNE vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung würdigt das Engagement frei arbeitender Kunstkritiker:innen, die sich in der Fach- und Tagespresse oder in anderen Medien mit zeitgenössischer Kunst und ihrem sozialen Kontext auseinandersetzen. Der ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik hat sich zu einer im gesamten deutschsprachigen Raum beachteten Auszeichnung entwickelt.

Mit der Veränderung der Presselandschaft hin zur kostengünstigen Zusammenlegung von Redaktionen ist besonders im Bereich Kunstkritik in den vergangenen Jahrzehnten eine deutliche Reduktion der Berichterstattung zu verzeichnen. Damit verloren viele freie Kritiker:innen die Möglichkeit zu publizieren sowie ihre ökonomische Grundlage. Auch Reisekosten wurden drastisch gekürzt. Die überregionale Berichterstattung konzentriert sich zunehmend auf Ausstellungshäuser in den Metropolregionen und im Kunstbetrieb bereits etablierte Namen – doch auch in regionalen Tageszeitungen finden sich kaum noch differenzierte Ausstellungsbesprechungen ansässiger Ausstellungsorte.

Gerade die Kunstvereine mit ihrem Schwerpunkt auf der Produktion zeitgenössischer Kunst sind auf einen Kulturjournalismus angewiesen, der eigenständige Qualitätskriterien und innovative Textformen entwickelt und beschreibt.
Im Interesse von Künstler:innen und Kunstvereinen markiert der ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik einen Beitrag zur Stärkung eines qualitätsvollen Kulturjournalismus.

Preisträger:innen der vergangenen Jahre
Noemi Y. Molitor (2025), Martin Conrads (2024), Oliver Körner von Gustorf (2023), Magdalena Kröner (2022), Noemi Smolik (2020), Antje Stahl (2019), Radek Krolczyk (2018), Kito Nedo (2017), Jörg Scheller (2016), Stefan Kobel (2015), Barbara Buchmaier und Christine Woditschka (2014), Astrid Mania (2013), Kolja Reichert (2012), Jens Kastner (2011), Jennifer Allen (2009), Rudolf Schmitz (2008), Ludwig Seyfarth (2007), Catrin Lorch (2006), Dominic Eichler (2005), Gregory Williams (2004), Raimar Stange (2003), Renate Puvogel (2002), Jan Verwoert (2001), Stefan Römer (2000), Hans-Christian Dany (1999)

 

Pressekontakt:

Han Vogel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

ADKV - Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine e.V.
Lützowplatz 9
10785 Berlin

vogel [at] kunstvereine.de (vogel@kunstvereine.de)

 

Judith Leyendecker
Public and Media Relations Manager
Koelnmesse GmbH
Messeplatz 1
50679 Köln

j.leyendecker [at] koelnmesse.de ()