Jahresgabe

Aus der Gruppe der Erze

Jessica Twitchell

Jessica Twitchell 

*1983, D

Staatliche Berufsfachschule für Holzbildhauer, Bischofsheim/Rhön; Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe; lebt und arbeitet in Köln.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2017: Nischenhain, Simultanhalle, Köln; Haus Pfeffermann, Nordheim v.d. Rhön; Grafik 2017, Kunstverein Pforzheim; Trunk, Kunstverein Lüneburg; 2016: RADAR: Pivot Joint Economy Class, Galerie der Gegenwart, Münster (solo); The Assembling White Smoke, Q18 - Quartier am Hafen, Köln; Gemischtes Doppel 2, Raum für Brauchbarkeit, Köln; 2015: Gustavs Park, Zeche Carl, Essen; OTNJ, Simultanhalle, Köln; Opus Zehn, Mischpoke e.V., Düsseldorf

 

Reproduktionsmedien und -techniken wie Plakate, Fotokopien, Textil und verschiedene Druckverfahren tauchen immer wieder im Werk der Kölner Künstlerin Jessica Twitchell auf. Durch die Übertragung ins Zweidimensionale wird die zuvor bestehende bildhauerische Arbeit grundlegend verändert. In ihrer Ausstellung Pivot Joint Economy Class führte Jessica Twitchell zwei Arbeiten in einer Installation zusammen. Das zentrale Element - ein bogenartiger Baldachin mit einer Konstruktion aus Stahl war mit Stoffbahnen, die im Siebdruckverfahren bedruckt wurden, überspannt. Der Baldachin korrespondierte optisch mit einem Papierobjekt aus Plakaten, die in einer fließenden Bewegung von der Wand auf den Boden verliefen.

Auch in ihrer Jahresgabe spielt das übergeordnete Thema der Wiederholung und Reproduktion eine Rolle. Die drei Steine sind Kopien eines von der Künstlerin gefundenen Steins aus Arizona, USA. Das rost- bis ockerfarbene Fundstück ist ein Limonit, auch bekannt als Brauneisen, zählt zu den Erzen und entsteht durch Zersetzung eisenhaltiger Mineralien. Das Mineralgemenge ist nicht ungewöhnlich und tritt mit einer relativen Häufigkeit auf. Während des großen Goldrauschs in Nordamerika hat man, um eine Preissteigerung beim Verkauf einer Goldmine zu erzielen, gewöhnliches Gestein mit goldenen Schrotkugeln beschossen. Dies sollte vermeintliche Goldadern imitieren und einen hohen Ertrag an Gold vortäuschen.

Die Bildhauerin hat den gefundenen Limonit durch ein Gussverfahren reproduziert. Als Material diente einfacher Vergussmörtel auf der Basis von weißem Zement, der während der Verarbeitung mit Kupfer- und Aluminiumpigmenten angereichert wurde. Auf der Erde kommen Kupfer und Aluminium in unterschiedlicher Häufigkeit vor, haben dabei aber eine aufwändige und kostspielige Gewinnung gemein. Durch Verbindung der unterschiedlichen Elemente, macht Twitchell hier einen Kontrast zwischen natürlichem Erz und künstlich vervielfältigtem Stein sichtbar. Die Jahresgabe besteht aus jeweils drei Steinen, die in ihrer Form exakt gleich sind, aber sich in der Verfärbung durch eine unkontrollierte Sedimentierung der Pigmente unterscheiden.