Jahresgabe

Hamburger Stühle

Jochen Weber

Die Stuhlobjekte von Jochen Weber sind verführerisch. Sie scheinen vertraut, doch gleichzeitig entziehen sie sich einer eindeutigen Gebrauchsökonomie und Zuordnung. Sie spielen mit den Konventionen von Design, Handwerk oder Kunst und verweigern diese disziplinären Systeme, ihre Normen und Ökonomien zugleich. Stuhlobjekt und BetrachterIn bzw. BenutzerIn sind gleichermaßen Teil eines performativen Prozesses der gegenseitigen Aneignung und Verhandlung. 

Für den Kunstverein Harburger Bahnhof hat Weber ein Poster mit Ansichten seiner verschiedenen Stuhlobjekte gestaltet. Einerseits scheint es sich um Dokumentationen oder Formstudien der unterschiedlichen Modelle zu handeln – auch eine gewisse Werbeästhetik liegt hier nicht fern – andererseits verselbstständigen sich die exzentrischen Formen und lösen sich von ihren Ausgangsobjekten ab. In ihrer farblichen Reduktion auf schwarz und weiß erscheinen sie zweidimensional, zeichenhaft und bilden eine eigenständige, abstrakte Formation. 
 

Jochen Weber (*1980, lebt in Hamburg) studierte in der Kunstakademie Düsseldorf bei Rita McBride. Seine Arbeiten wurden in den vergangenen Jahren national und international ausgestellt, u.a. Produzentengalerie, Hamburg (2014), Temporary Gallery, Köln (2013), Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2013, solo 2011), Galerie Christian Nagel, Antwerpen (2012), Sprengel Museum, Hannover (2012), Kunstverein Bielefeld (2011), Kunsthalle Exnergasse, Wien (2010), WIELS Contemporary Art Center, Brüssel (2009).