Jahresgabe

Manhattan Study (Selbst)

Adrian Lohmüller

Für „Manhatten Study (Selbst)“ hat Adrian Lohmüller eine der Einlegesohlen aus seinen Schuhen zwischen zwei Glasplatten gepresst. Mit der Sohle ist er zuvor durch New York gelaufen, hat Architekturspaziergänge unternommen und Straßenblocks mit seinen Schritten vermessen. Dabei blieb ein individueller Abdruck aus Schweiß, Schmutz und Hautpartikeln auf der Einlage zurück. Wenn auch für die Öffentlichkeit unsichtbar, haben Lohmüllers Wanderungen durch New York Spuren hinterlassen. Das Private der Abdrücke steht der Öffentlichkeit des Raums gegenüber, durch den Lohmüller sich bewegt hat. Unter Glas hält er die persönlichen Spuren des Umherlaufens und damit auch das Umherlaufen selbst fest. Die Arbeit ist ein Vorläufer seiner neuen Unikatserie der „Manhattan Studies“. Die weiteren stammen von neun New Yorker Passanten. Durch das Verfahren erhebt er die Sohlen zu einem edlen Gut und bewahrt einen momentanen Zustand für die Zukunft. 

Die Arbeit ist vergleichbar mit seinem früheren Projekt „Klärwerk – Waschwasserporträts“, für das er die Arbeitskleidung von Personen mit unterschiedlichen Berufen aus-=gewaschen, reduziert und anschließend in Flaschen abgefüllt hat. 

Für seine ortsspezifische Installation, die er im Juni 2012 im Kunstverein Harburger Bahnhof realisierte, öffnete Lohmüller die großen Fenster des ehemaligen Wartesaals der 1. & 2. Klasse und legte den gesamten Innenraum mit Rollrasen aus. Die Besucher betraten nicht länger einen geschlossenen Raum, der sich von der Außenwelt abkoppelte, sondern einen Raum, der Teil der Außenwelt sein wollte. Der Ausstellungstitel „And To Make You Toe The Line“ bezeichnete den Auftrag, sich an einer bestimmten Linie entlang zu bewegen. Die Weite der Installation und der damit suggerierte Freiraum widersprachen genau dieser Aufforderung. Vielmehr wurde die Assoziation zu einer Parkanlage geweckt, die im urbanen Raum einen bewusst konstruierten Freiraum darstellt. Nicht zuletzt aus diesem Grund entstanden im Laufe der Ausstellung Trampelpfade und die Besucher des Kunstvereins hinterließen auf der Rasenfläche ihre Spuren.