Jahresgabe

"O time thy pyramids EX 1", 2014

Timo Nasseri

Timo Nasseri (*1972 in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin) legt in seinen Arbeiten den Fokus auf die Begegnung zweier Kulturkreise, dem des Westens und des Mittleren Ostens. Er verwebt in seinen Arbeiten hinsichtlich Religion, mittels mathematischer und literarischer Vorlagen sowie kunstwissenschaftlicher Erkenntnisse Aspekte beider Kulturen. Elemente aus der persischen und islamischen Architektur, die auf geometrischen Formen und Symmetrien basieren, löst Nasseri aus dem wissenschaftlichen Kontext, entfremdet sie und entwickelt sie zu einer eigenen Ästhetik weiter. Seine Arbeiten sind – auf mathematischer Basis – zum einen Poesie und zum anderen die Entdeckung von Unendlichkeiten und möglichen Universen.

Der Titel der Jahresgabe zitiert Die Bibliothek von Babel von Jorge Luis Borges. O time thy pyramids ist der einzige entzifferbare Satz in einem Buch, das aus „einem bloßen Labyrinth der Briefe“ der babylonischen Bibliothek besteht. Es enthält das gesamte Universum, endlos und unleserlich. Die Zeichnungen erscheinen wie Berechnungen aus einem Mathematik-, Physik- oder Geographiebuch, denn Nasseri benutzt Formeln und Modelle wie eine Sprache. Ihre Bestandteile (Linie, Punkt, Kurve, Buchstabe, Zahl und kartographische Elemente) sind in einer Weise miteinander verbunden, die Verstehen suggeriert, sie aber dennoch vor Lesbarkeit oder Berechenbarkeit bewahrt.