Jahresgabe

Ohne Titel

Johannes Wilde

Innerhalb der Ausstellungsreihe „Am Piano:...“ hielt Johannes Wilde unter dem Titel „Vortrag/Trag/Nachtrag: Versuch zum erfolgreich Scheitern“ im Kunstverein Harbur-ger Bahnhof freie Vorträge ohne jegliches Skript, in denen er mit Blick auf die Kunst Fragen nach der Sinnhaftigkeit von Professionalität stellte. Als Attribut, Hilfsmittel und Gedankenstütze diente ihm jeweils eine Tafel, die er während der Vorträge mit Krei-de beschrieb. 


Im Rahmen der Jahresgaben sind es diesmal drei Tafeln, die Wilde mit Kreide beschrif-tet. Sie weisen alle unterschiedliche Zahlen auf, die unmittelbar mit dem Kaufpreis korrespondieren: 100, 537, 2200. Für Wilde sind dies aber nicht nur willkürliche Zahlen: Die 100 sieht er als Grundpreis, 537 entspricht seiner Monatsmiete und 2200 ist der Preis einer gegen ihn angeblich zu Unrecht verhängten gerichtlichen Strafe. Obwohl die drei Tafeln über dieselben Maße und dasselbe Material verfügen, stellt der Künstler dem Käufer nun die Frage, wie viel er bereit ist für Kunst auszugeben. Das ephemere Moment, das die Kreide dabei einnimmt, indem sie nicht fixiert wird und sich durch unsachgemäße Handhabung ablösen kann, verweist auf die Relativität von Wertigkeit in der Kunst. 

100 Euro, 537 Euro, 2.200 Euro