Jahresgabe

Steps – Leaps – Footprint, 2016

Tomás Saraceno

Tomás Saraceno (*1973 in San Miguel de Tucumán, Argentinien, lebt und arbeitet in Berlin) verbindet Erkenntnisse aus der Weltraumforschung, der Science-Fiction und den Geometrien der Biowissenschaften. Cloud Cities, sein bisher bekanntestes Projekt, entwirft eine von der Morphologie von Seifenblasen, Spinnenweben, Wolkenformationen und der Astrophysik inspirierte, nachhaltige Luftlandschaft. Ein anderes verwandtes Thema ist das Anthropozän. White Sands in New Mexico ist einer jener symbolischen Orte, in denen sich die Historizität des Anthropozän eingeschrieben hat. 1945 wurde auf dem White Sands Missile Range mit dem Trinity-Test der erste Atomversuch durchgeführt, der zu einem beispiellosen Bewusstseinswandel führte. 70 Jahre nach dem Trinity-Test kommt Saraceno nach White Sands, um sein Aerocene-Projekt zu starten, das dem Anthropozän und den daraus folgenden Katastrophen in künstlerischer und kollaborativer Hinsicht begegnen soll.

Das Diptychon Steps – Leaps – Footprint, 2016, konzeptualisiert die Spannung zwischen dem Anthropozän und unserem aktuellen ökologischen Zustand. Das Dokumentarfoto aus dem Jahr 1969 zeigt den Fußabdruck, den der amerikanische Astronaut Buzz Aldrin auf der staubigen Oberfläche des Mondes hinterließ. Weltraummissionen führen zu extremen Luftbewegungen, die ihrerseits einen eigenen ökologischen Fußabdruck hinterlassen und die atmosphärischen Veränderungen des Planeten beeinflussen. Die seltsam anmutende Fotografie von Saracenos Performance in White Sands zeigt das diametral entgegengesetzte Bild: ein Individuum, das durch die kosmischen Kräfte von Sonnenstrahlen, die die D-O AEC Aerocene-Skulptur erhitzen, angehoben wird. Dabei schweben die Füße über dem Boden, sie schreiten ohne Fußabdrücke zu hinterlassen. „Es fühlte sich an wie ein Fallschirmsprung weg von der Erdoberfläche ...“ (Tomás Saraceno).