O.T. (P.D.J._L)
Baldischwyler, Thomas
Die Jahresgabe von Thomas Baldischwyler greift Strategien des Nachbauens auf, wie sie in der Anthropologie im sogenannten Cargo-Kult beschrieben werden: Objekte und Infrastrukturen werden aus einfachen Materialien rekonstruiert, jedoch ohne deren Funktion zu reproduzieren. Die Imitation wird zu einem Versuch, ein unsichtbares Versprechen einzulösen. Ferner nimmt Baldischwyler Bezug auf Luis Buñuels La Mort en ce jardin (1956), ein Film, in dem eine scheinbar dokumentarische Szenerie abrupt in psychologische Bilder kippt. Inspiriert von einer in diesem Film zerrissenen Postkarte, verwendet er Fragmente gefundenen Materials, welche anschließend auf eine zerschnittene und wieder zusammengetackerte Oberfläche appliziert wurden. Diese doppelte Fragmentierung von Hintergrund und Motiv vereint Baldischwyler abschließend in einem Acrylrahmen, der an Präparierkästen in Naturkundemuseen erinnert: Orte, welche versuchen, das Vergängliche auf Dauer zu stellen. Hierbei interessiert sich Baldischwyler insbesonders für die Projektion menschlicher Gefühle auf Dinge und Umgebungen. Was zunächst als objektive Beobachtung erscheint, ist oft bereits Ausdruck von Hoffnung, Angst oder Bedürfnis.