Jahresgabe

A Sense of Beauty

Jochen Lempert

Jochen Lemperts analoge Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen Pflanzen, Tiere und Naturphänomene in alltäglichen, oft übersehenen Situationen. Seine Jahresgabe für den Kunstverein ist eine Erkundung von Natur-Kultur-Verhältnissen, sie adressiert Fragen nach Grenzziehungen, die nur rückwirkend naturalisiert und vereindeutigt werden. 

 

Tauben markieren den Übergang von Natur zu Kultur – und zeigen, dass städtische Ökosysteme keineswegs naturfern sind. Sie sind Nachfahren der Felsentauben und der Haustaubenhaltung, bestens an Architektur und menschliche Routinen angepasst, Symbol von Nähe und Konflikt zugleich. In Lemperts Arbeit tritt die Taube nicht als störendes Stadttier auf, sondern als Akteur einer urbanen Ökologie und Teil komplexer Koexistenz, ein Gegenüber, welches die Stadtlandschaft mitprägt. Nachdenklich, im Entspannungsmodus, geradezu träumend, in der Nähe zum Main, zeigt Lempert die Taube aus der Perspektive einer:s kollegialen Mitbeobachters:in. Wie entscheiden Tauben, an welchen Orten sie verweilen? Folgen sie dabei ästhetischen Kriterien? Haben sie vielleicht sogar einen sense of beauty?