Pressemitteilung

Noemi Smolik erhält den ADKV-ART COLOGNE-Preis für Kunstkritik 2020

Auszeichnung für das Lebenswerk einer Grenzgängerin und unabhängigen Kritikerin

Berlin/Köln, 25. März 2020 Die in Bonn und Prag lebende Kritikerin Noemi Smolik wird mit dem Preis für Kunstkritik 2020 ausgezeichnet. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) in Kooperation mit der ART COLOGNE verliehen und richtet sich an freie Journalistinnen und Journalisten.

Noemi Smolik arbeitet seit sehr vielen Jahren an der Aufarbeitung der osteuropäischen und russischen Kunstgeschichte. Sie scheut dabei weder die Auseinandersetzung mit akademischen Zirkeln noch die Ansprache eines breiten Publikums, so dass sie eine beeindruckende Bandbreite an Formaten der Kunstkritik – das kurzweilige Feuilleton, den Essai als Long-Read oder den Vortrag – perfekt beherrscht und bedienen kann. Immer wieder gelingt es ihr, tradierte Narrative nachhaltig zu durchbrechen und umzuschreiben. Besonders aber zeichnet sie auch aus, immer wieder mit großer Aufmerksamkeit und Genauigkeit verschüttete Befunde aus der Geschichte der nichtstaatlichen und dissidenten Kunst in den sozialistischen Gesellschaften herauszuarbeiten und sich den Glättungen und Einebnungen historischer Konflikte zu widersetzen.
Erst im vergangenen Jahr (und mitten in der sommerlich euphorisierten Hochphase des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums) klärte Noemi Smolik die Leserschaft einer überregionalen Tageszeitung beispielsweise darüber auf, dass Kasimir Malewitsch nicht nur in Russland, sondern auch von seinen vermeintlichen „Gesinnungsgenossen“ in Dessau zensiert worden war. Mit forensischem Spürsinn werden dabei stereotype Bilder der russischen Avantgarde auf den Kopf gestellt und die westliche Perspektive auf die Oktoberrevolution dekonstruiert.

Mit Noemi Smolik zeichnet die Jury daher eine Kritikerin aus, die es versteht, Inhalte jenseits kulturpolitischer Trends unabhängig und unbeirrt zu verfolgen und durchzusetzen. In Zeiten, in denen der Nationalpopulismus in vielen europäischen Ländern erstarkt, möchte die Jury auch das Lebenswerk einer Grenzgängerin würdigen, die sich unermüdlich für die Kulturvermittlung einsetzt.

Seit 1999 wird der Preis durch die ADKV ausgelobt und seit 2006 in Kooperation mit der ART COLOGNE, die auch das Preisgeld stiftet, vergeben. Die Auszeichnung würdigt das Engagement freier Kunstkritikerinnen und -kritiker, die sich in der Fach- und Tagespresse oder in anderen Medien mit zeitgenössischer Kunst und ihrem sozialen Kontext auseinandersetzen.

Die Mitglieder der Jury 2020 waren: Prof. Dr. Stephan Berg (Intendant, Kunstmuseum Bonn), Prof. Dr. Beatrice von Bismarck (Professorin für Kunstgeschichte und Bildwissenschaften, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig), Swantje Karich (Redakteurin im Feuilleton, „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“), Olaf Nicolai (Künstler, Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München) und Antje Stahl (Autorin, Preisträgerin 2019) sowie Gerrit Gohlke als Vertreter der ADKV (ohne Stimmrecht).

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger: Antje Stahl (2019); Radek Krolczyk (2018); Kito Nedo (2017); Jörg Scheller (2016); Stefan Kobel (2015); Barbara Buchmaier und Christine Woditschka (2014); Astrid Mania (2013); Kolja Reichert (2012); Jens Kastner (2011); Jennifer Allen (2009); Rudolf Schmitz (2008); Ludwig Seyfarth (2007); Catrin Lorch (2006); Dominic Eichler (2005); Gregory Williams (2004); Raimar Stange (2003); Renate Puvogel (2002); Jan Verwoert (2001); Stefan Römer (2000); Hans-Christian Dany (1999).

Der Preis wird zusammen mit dem ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine auf der nächsten Art Cologne verliehen.

 


Kontakt:
Daniela Dietsche
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV)
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