Jahresgabe

Ohne Titel

Gerald Domenig

"Aus einem Apfel ein Bild zu machen, ist gleichzeitig leicht und schwer. Dafür, da. es leicht ist, spricht seine runde Form. Ein Bild ist ja um so mehr ein Bild, je mehr man gefangen ist, im Kreis gehen mu., sich in der Betrachtung wiederholt, ohne sich zu wiederholen. Der Apfel ist als Apfel schon ein Bild, ja erstaunlicherweise ist er als Apfel oft mehr Bild denn als Bildapfel. Wenn ich einen Apfel betrachte, begutachte ich ihn. Seine Umgebung ignoriere ich weitgehend. Ich habe gelernt, einen Apfel in die Hand zu nehmen, auf Faulstellen, Wurmigkeit, Frische und Schönheitsmale zu überprüfen, liegen zu lassen, wo er sich gerade befindet oder dorthin zu bringen, wo er besser und schöner ist. Nehmen wir an, ich halte einen Apfel in der Hand und begutachte ihn. Ich begutachte ihn auf jeden Fall, ob ich ihn nun essen oder fotografieren will." 
(G.D., aus: Nivea und Nivea, 2008)

Gerald Domenig wurde 1953 in Villach, Österreich, geboren und lebt in Frankfurt am Main. Seit den 1970er-Jahren hat er ein umfassendes künstlerisches Oeuvre geschaffen, das durch formale Strenge und thematische Offenheit gekennzeichnet ist. Domenig, der stets analog fotografiert, die Filme selbst entwickelt und die Vergrößerungen herstellt, versteht Fotografie als Technik der Bildkonstruktion, der Überführung von Raum in die Fläche, als Auflösung des Abgelichteten ins Bild.

Einzelausstellungen (Auswahl): 2016 Sezession, Wien; 2015 Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main; 2008 Museum Ludwig, Köln; 1988 Portikus (mit Franz West), Frankfurt am Main, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden; sowie zahlreiche Gruppenausstellungen, u.a. 2019 Straub/Huillet/Cezanne. Seelen malt man nicht, GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen; 2018 Kunst Haus Wien; 2008 Etablissement d’en face projects, Brüssel; 1984 Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf, Halle 13 – Messe Düsseldorf.