Kunstverein

Kunstverein KISS e.V.

Kunst im Schloss Untergröningen

Ausstellung "SweetNothingSweet"

26. 4. 2020 - 2.8.2020

Öffnungszeiten: Sa, 14 - 18 Uhr, So + Feiertage 11 - 18 Uhr


Bereits der Ausstellungstitel implementiert die Ambivalenz, die dem Begriff „sweet“ („süß“) innewohnt:

Obwohl semantisch durchweg positiv belegt, ist das süße Nichts nicht wirklich "süß", sondern birgt zahlreiche Polaritäten und damit Widersprüche: Von süß/klein/nett zu gesundheitsschädlich, von verführerisch bis anzüglich bis süchtig machend, von Dolce Vita bis Überflussgesellschaft:

Süß kann glücklich machen oder gefährlich werden. Kann Paradies sein oder Intensivstation, Adipositas oder Magersucht. Kann zufrieden machen oder kariös.

Zucker/Glucose entsteht als Nebenprodukt der Photosynthese, aus Sonnenlicht, Wasser und Co². Ein steter, nicht endender Vorgang in der Natur; und doch war Zucker viele tausend Jahre für den Menschen kostbar; Zucker wurde noch vor gut 100 Jahren wie ein wertvoller Schatz weggeschlossen und rationiert. Für Süßes und Süßigkeiten wurden und werden bis heute Menschen ausgebeutet.

Der inzwischen unbegrenzte Zugang zu Süßem lief parallel mit der Industrialisierung, danach der Digitalisierung und schuf wesentlich den modernen Menschen in der heutigen Überflussgesellschaft: „Sweet“ ist das Lockmittel und zugleich das Lebensgefühl  einer Generation, die in unserer Gesellschaft mehr als genug hat: Überangebot, Überkonsum, das süße Nichtstun.

Wo läuft die Grenze zwischen "sweet" und "nothing sweet"? Wann wird aus Wohlstand Krankheit? Aus Überangebot und Überkonsum Gefahr für den Fortbestand der Menschheit, der Natur, der Erde?
Kann man sich diesem bequemen Leben, dem Kreislauf entziehen, tatsächlich menschliche Ansprüche zurückschrauben, ressourcenschonend leben? Denn psychologisch betrachtet sinkt mit steigendem Überangebot der Zwang des Menschen, sich um sein Dasein zu bemühen; entsprechend unmöglich wird es dem einzelnen, (physisch oder psychisch) sein Leben zu meistern.

Die Konzeption der Ausstellung von Kuratorin Heidi Hahn sieht  einen künstlerischen Diskurs konzeptuell wie ästhetisch in mehrere Medien vor:  Bildhauerei, Malerei, Szenerie, Installationsräume von "Schlaraffenland" bis "Konsumtempel" verschmelzen mit Skulpturen und Fotoarbeiten wie elektronenmikroskopischen "Karies-Fotos" zu einer einzigen, raum- und zeitgreifenden Gesamtinstallation, die alle o.g. Facetten abdeckt und die dem Besucher statt passivem (Zucker-)Konsum "aktive Kunst" bietet. Auf dass er - entsprechend dem Aristotelischen Theater, aber auch angelehnt an Antonine Artauds "Theater der Grausamkeit" - geläutert hervorgeht.

Herausragende Arbeiten sind die „Pralinen-Installationen“ des New Yorker Künstlers Peter Anton, die „Candy“-Landschaften des Londoner Fotografen Carl Warner, fotorealistische Süßigkeiten von Sarah Graham, London; Kunst aus Glas-Gummibärchen des New Yorkers Kevin Champeny, Arbeiten wie „dem Affen Zucker geben“, „Schichtarbeit“ von den aktuell wichtigsten deutschen Realisten wie Robert Matthes, Mirko Schallenberg, aber auch Mark Taschowsky, Jörg Döring. „Wohlstandsmüll“: Die Kaugummis des Schweizers Markus Schwander, die Anorexia-Fotoarbeiten „32Kilo“ der Berliner Fotografin Ivonne Thein, ein modernes „Tiny-house“ aus Lebkuchen, Keksen und Schokoriegeln, dreidimensionale Schokolade oder handgearbeitete - vom Berthold-Brecht Enkel Sebastian Brecht aus New York bis hin zu elektronenmikroskopischen Karies-Fotos eines Schweizer Dental-Professors.

Die Räumlichkeiten des Schlosses (rund 1.000 qm Ausstellungsfläche, 3 Stockwerke, 5 Flure, 22 Räume) machen es möglich, dass der Besucher separiert, zusammengeführt, geführt, in eine Welt (nicht nur) der Süßigkeiten ent-führt und mit immer neuen Aspekten konfrontiert wird. 

Die Kombination aus Kunst und Installation, Betrachtung und Erleben, Ziegen und Erleben, macht es möglich, dass eine sehr große Bandbreite an Besuchern, nicht nur Kunstinteressierte erreicht wird.

Vor allem auch mit den Positionen von mehr als 40 nationalen wie internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die alle möglichen (und unmöglichen)  Facetten des Themas und natürlich auch Kunst aus Zucker, Schokolade etc. zeigen.

Mit der Ausstellung im Jahr 2020 wird zugleich die 20. Ausstellung des Vereines begangen.

Regelmäßig finden Führungen durch die Ausstellung statt, auch für Kinder und Schulklassen.  Daneben finden regelmäßig Workshops statt. z.B. zur Herstellung und Verarbeitung von Schokolade, von Bonbons; 3-D-Druck Schokolade, Kunstvermittlung.  Außerdem gibt es einen Bereich, in dem die Besucher selbst Kunst "mitgestalten/umgestalten" können.  Infos/Anmeldung zu Führungen/ Workshops unter www.kiss-untergroeningen.de, info [at] kiss-untergroeningen.de.
KünstlerInnen für "SweetNothingSweet", Stand November 2019

Peter Anton, New York
Günter Beier, Überlingen
Nina Bergold, Ludwigsburg
Sebastian Brecht, New York
Kevin Champeny, New York
Johannes Cordes, Meppen
Benedikt Daschner, 3-D-Schokolade, Ismaning
Birgit Dieker, Berlin
Luis Dilger, Ravensburg
Jörg Döring, Düsseldorf
Simone Fezer, Lüneburg
Eberhard Fiebig, Kassel
Alistair Gibson, London
Sarah Graham, London
Stefan Hasslinger, Freiburg
Sara Horwath, Berlin
Krista Israel, Niederlande
Julia Jansen, St. Augustin
Jeroo, Stuttgart
Jov T. Keisar, Ehningen
Heike Köhler, Iggingen
Werner Liebmann, Leipzig
Adrian Lussi, Bern
Joseph Marr, Berlin/Melbourne
Robert Matthes, Essen
Rolf Ohst, Lübeck
Volker Rossenbach, Habscheid
Mirko Schallenberg, Northeim
Markus Schwander, Basel
Bettina Sellmann, Berlin
Susanne Strefel, Bramsche
Strickfrauen Untergröningen
Mark Taschowsky, Berlin
Ivonne Thein, Berlin
The Wonderbra`s, Portalegre/Oberkochen/Essingen
Linda Treffler, Hannover
Johannes Vetter, Aschaffenburg 
Daniel Wagenblast, Stuttgart
Carl Warner, London
Ferdinand Wehe, Berlin/Brüssel
Julius Weiland, Berlin
 

Zusätzliche Inhalte (linke Spalte)
Text einspaltig breit

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KISS, der Kunstverein im Schloss Untergröningen ist weithin bekannt für den "Kunstsommer". Außerdem bietet das Schloss zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen, unter anderem auch für eine Ausstellung der künstlerisch tätigen Mitglieder. Vor allem auch die Förderung junger Künstler und Kreativer aus der Region nimmt immer breiteren Raum ein. Ergänzt wird das Programm durch zahlreiche musikalische und darstellende Veranstaltungen rund ums Jahr. Es gibt überdies die Möglichkeit, Räume im Schloss für private oder öffentliche Veranstaltungen anzumieten.

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