Kunstverein Hannover
Der Kunstverein Hannover e. V., 1832 von engagierten Bürger:innen gegründet, ist eine der ältesten Institutionen zeitgenössischer Kunst im deutschsprachigen Raum. Seither widmet er sich dem Ziel, Kunst nicht nur zu zeigen, sondern sie als sozialen, ästhetischen und gesellschaftlichen Erfahrungsraum gemeinsam mit Künstler:innen und Besucher:innen zu verhandeln. Der Verein ist eine unabhängige Plattform für aktuelle künstlerische Praxis – lokal, solide verankert und international ausgerichtet.
Ein aktives Netzwerk aus ca. 1.500 Mitgliedern, ein engagierter ehrenamtlicher Vorstand und Beirat sowie zahlreiche Unterstützer:innen tragen die Arbeit des Vereins. Diese Gemeinschaft ist nicht nur Trägerin der Institution, sondern deren konstitutiver Teil.
Verortet im historischen Künstlerhaus mitten in Hannover, entfaltet der Kunstverein seine programmatische Arbeit in Ausstellungen, Veranstaltungen, Publikationen und Bildungsprojekten. Die Ausstellungen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Künstler:innen, häufig als ortsspezifische Produktionen. Rund vier große Ausstellungsprojekte pro Jahr – ergänzt durch das traditionsreiche Residenzprogramm, Diskursformate und lokale Kooperationen – prägen das Jahresprogramm.
Der Kunstverein Hannover versteht Ausstellungen als Motor institutioneller Weiterentwicklung. Unter der Leitung von Christoph Platz-Gallus werden seit 2022 Formate erarbeitet, die Fragen nach Inklusion, Nachhaltigkeit und Wissenstransfer in die Struktur des Hauses einschreiben. Projekte wie die Akademie der Lebenserfahrung (seit 2023), das Langzeitprojekt Living Archive (seit 2023), die Initiative Grüner Kunstverein (seit 2025) und der institutionelle Barriereabbau seit dem Projekt The Myth of Normal reflektieren Kunst nicht nur als Objekt oder Ereignis, sondern als Membran, die in einer Ökologie der poetischen Wechselwirkung an viele gesellschaftliche Milieus angebunden ist.
Eine Ausstellung für Kinder (und andere Leute) (2025), kuratiert von Turner-Preisträger Jeremy Deller, steht exemplarisch für diesen Ansatz: Sie brachte durch Künstlerhand weniger wie sehr etablierte konzeptuelle Positionen der letzten 40 Jahre zusammen, die sich spielerischer Strategien bedienen, um Fragen nach Rezeption, Partizipation und Bildung neu zu stellen.
Seit der Ausstellung The Myth of Normal (2023) verfolgt der Kunstverein Hannover eine umfassende Strategie der Teilhabe und Zugänglichkeit, die sensorische, sprachliche und soziale Barrieren ernst nimmt und konsequent abbaut. Ein von dem Künstler Peter Schloss entwickeltes taktiles Leitsystem führt durch alle Ausstellungen und zu haptischen QR-Codes; Audiodeskriptionen sowie Materialien in Leichter Sprache sind fester Bestandteil jeder Präsentation. Audience Development wird dabei nicht als einseitige Ansprache verstanden, sondern als wechselseitiger Prozess: Audiences develop – Besucher:innengruppen und Besuchende entwickeln die Arbeit des Kunstvereins weiter. Denn nur das, was zugänglich ist, kann berühren.
Auch Nachhaltigkeit begreift der Kunstverein Hannover als langfristige institutionelle Aufgabe. Als einziger Kunstverein nahm er 2019 am Pilotprojekt Klimabilanzen in Kulturinstitutionen der Kulturstiftung des Bundes teil. Darauf aufbauend wird seit 2023 eine umfassende Nachhaltigkeitsethik und -strategie umgesetzt, die unter dem Modell Grüner Kunstverein firmiert.